Leserbrief zum Voranschlag 2026
Zum Flugblatt der FDP Grub «Nein zum Defizit — NEIN zum Voranschlag!
Kürzlich wurde die Gruber Bevölkerung von der FDP Grub AR mit einem Flugblatt zur 2. Ablehnung des Voranschlages 2026 aufgerufen. Der Slogan «Stoppt das Loch in unserer Gemeindekasse» ist populistisch und gefährlich, zumal im Flugblatt kein einziges Wort zu lesen ist, wie dieses Ziel erreicht werden soll.
Ein Blick über die Gemeindegrenzen hinaus zeigt, dass heutzutage kaum mehr eine Gemeinde, ein Kanton oder auch der Bund mehr in der Lage ist, einen Voranschlag mit schwarzen Zahlen zu präsentieren. Grub ist kein Einzelfall. Die Anforderungen und Erwartungen an ein öffentliches Gemeinwesen wachsen ständig, während die Bereitschaft, dafür die nötigen Mittel bereitzustellen, laufend sinkt. Das passt nicht zusammen.
Ein nochmaliges Nein zum Voranschlag macht unsere Gemeinde für weitere Monate handlungsunfähig. Nötige Investitionen sind genauso nicht mehr möglich wie Unterstützungen von sozialen, kulturellen oder schulischen Initiativen. Das Gemeindeleben läuft auf Sparflamme. Stillstand statt Fortschritt — wollen wir das?
Dazu kommt ein weiterer wichtiger Negativpunkt: Alle wissen, wie schwierig es in letzter Zeit war, Kandidaten für den Gemeinderat zu finden. Glücklicherweise haben sich in den letzten Jahren doch einige junge Männer und Frauen für dieses Amt bereit erklärt, trotz grosser familiärer und beruflicher Belastung. Am Wahltag wurde ihnen gratuliert und auf die Schulter geklopft. Jetzt, nur einige Zeit später, werden sie per Flugblatt als unfähig und verantwortungslos bezeichnet. Es raubt ihnen wohl noch den letzten Funken Motivation fürs Amt, wenn sie realisieren müssen, dass das Vertrauen gerade so lang reicht wie der Blumenstrauss, der ihnen an der Wahlfeier überreicht wurde. Das ist wahrlich beste Werbung für ein Amt in unserer Gemeinde.
Ein nochmaliges Nein bringt keine Lösung, sondern nur neue Probleme. Bei einem Nein müsste der Gemeinderat erneut über der Rechnung brüten und Möglichkeiten suchen, wo die knapp 400'000 Franken eingespart werden könnten oder, wenn dies nicht möglich ist, eine moderate Steuererhöhung andenken. Bekanntlich gibt es keine Sparmassnahmen, die niemandem wehtun. Bei der gegenwärtig in Grub üblichen Kommunikationskultur ist unschwer vorauszusehen, dass von Sparmassnahmen Direktbetroffene erneut zum Flugblatt greifen werden mit der Aufforderung, sparen ja, aber bitte nicht hier! Und der Abwärtssog in Grub geht munter weiter. Auch so kann man eine Gemeinde herunterwirtschaften
Um diesem tödlichen Abwärtstrend zu entgehen, gibt es nur eine Lösung: Stimmen Sie am 8. März, dem Voranschlag, wenn auch zähneknirschend, zu! So bleibt unsere Gemeinde zumindest handlungsfähig. Und dann, liebe FDP, konzentrieren Sie sich auf den Voranschlag 2027! Da bleibt genügend Zeit, um nicht nur zu fordern, sondern selbst aktiv zu werden, Ideen und Vorschläge auszuarbeiten, wie eine künftige Finanzpolitik aussehen soll. Warten Sie nicht, bis der Gemeinderat seine Version präsentiert, um dann mit schwerem Geschütz dagegen aufzufahren. Werden Sie selbst aktiv, bringen Sie Lösungen und diskutieren Sie mit der Bevölkerung. Das ist richtige Parteiarbeit, die uns alle weiterbringt. Auf dass wir im November über einen Voranschlag 27 abstimmen können, ohne dass es Flugblätter braucht.
Tobias Brülisauer
9035 Grub AR